Turniere 2016

Free As A Bee

 

 

Free As A Bee 

  

Die Adventszeit ist für gewöhnlich eine eher Besinnliche, in der sich der Alltag etwas beruhigt. Jedes Jahr hält sie viele Highlights für jedermann bereit. Kerzen anzünden und Adventkalendertürchen öffnen ist dann allerdings doch ein etwas magerer Tagesplan für Ultimate-Spieler. Gott sei Dank gibt es unsere slowenischen Nachbarn von Frizmi, die nun schon seit einigen Jahren das Free As A Bee zur Vorweihnachtszeit veranstalten. Die Hawks beschlossen, dem Adventsalltag samt dem Trubel um die erneute Bundespräsidentenstichwahl zu entfliehen. Zunächst mussten allerdings die Wahlkarten abgeschickt und personelle Verstärkung eingekauft werden. Die Entscheidung fiel in diesem Fall auf den Designer unserer ach so fabelhaften Trikots. Das malerische Dobrova imponierte uns schon immer mit der markanten Hügellage seiner Arena mitten in der slowenischen Einöde. Ein wahrlich magischer Ort an dem die Zeit scheinbar still steht, nicht zuletzt weil sämtliche Uhren am Turniergelände auf fünf vor eins gestellt waren. 

Den Samstag durften wir gleich mit einer Doppelschicht beginnen, da wir aufgrund unserer etwas längeren Anreise die Veranstalter darum baten, unser erstes Spiel zu verschieben. Dieser Jackpot (einmal aufwärmen, zweimal spielen) wurde uns ohne Widerrede genehmigt und durch die kurzfristige Erweiterung unseres Spielzug-Repertoires, allem voran der Tukan,  konnten wir unsere beiden durchaus spannenden Opener gewinnen. Siege gab es auch in den nächsten drei Spielen für uns. Fünf Spiele an einem Tag ist an sich  bereits ein relativ ausgiebiges Programm. Umso überraschter waren wir, als uns versichert wurde, dass es auch noch ein sechstes gäbe. Alles in allem eine akzeptable Sache. Etwas fragwürdig wurde das Ganze erst, als wir erfuhren, dass dieses letzte Spiel ein Viertelfinale sein werde. Etwas enttäuschend, da aus unserer Erfahrung fünf Siege meistens mindestens einen Platz unter den Top 4 bedeutete. Letztendlich wurde das um 18:30 angesetzte Spiel auf 20:00 verschoben und der Tag zog sich nochmals in die Länge. Als dieses Viertelfinale gegen Fly By dann auch noch richtig eng und anspruchsvoll wurde, waren wir nahe der Frustration. Trotz halbleerer Akkus gelang uns gegen sie jedoch noch ein fulminantes Finish durch welches wir uns den sechsten Sieg des Wochenendes sichern konnten. Es war schon eine ehrenvolle Aufgabe den Samstag mit unserem Spiel abschließen zu dürfen. Dass wir am Sonntag die noch ehrenvollere Aufgabe bekamen, mit unserem Halbfinale den zweiten Spieltag zu eröffnen, wurde von uns nicht weiter hinterfragt. Gefrorene Zeit, gefrorener Honig und Kaderüberschneidungen bei einem Großteil der Teams waren schon skurril. Nichts warf jedoch mehr Rätsel auf als der Spielplan.

Nach einer lauten Nacht starteten wir mehr oder weniger ausgeschlafen in den Samstag. Trotz ausgiebigen Aufwärmens verschliefen wir jedoch die Anfangsphase des Halbfinales. Das etwas reduziertere Aufwärmprogramm von Verti-Go war für sie anscheinend komplett ausreichend. Nach fünf Punkten Rückstand sah es mit einem siegreichen Ausgang für uns schon relativ schlecht aus. Die Köpfe blieben allerdings oben und eindrucksvoll verwandelten dir ein 3:8 innerhalb von wenigen Minuten in ein 8:9. Die Slowenen konnten ihre sichtliche Nervosität letztendlich noch einmal überwinden und schafften es, unsere Comeback-Train zu stoppen. Aufgrund des verpatzten Starts war es eine sehr unglückliche Niederlage in einem wichtigen Spiel. Trotzdem waren wir stolz auf den bewiesenen Kampfgeist und das Bewahren eines kühlen Kopfes. Diese Niederlage bedeutete auch, dass wir nicht das letzte Spiel vom Sonntag hatten. Unsere Wartezeit auf das nächste Aufeinandertreffen verkürzte sich dadurch auf nur noch viereinhalb Stunden. Gute zwei Stunden davon verbrachten wir unwissend, wer denn nun unser Gegner im letzten Spiel sein werde, denn das zweite Semi wurde erst zu Mittag ausgespielt. Als Abschluss durften wir uns im Endeffekt auf ein Rückspiel mit den Gastgebern freuen. Vor allem ihre Overhead-Würfe erwiesen sich in diesem Match schwer zu verteidigen und brachten ihnen Punkte in Serie. Genau das machte in einem wirklich sehenswerten und spannenden Spiel letztendlich den klitzekleinen Unterschied und wir mussten uns, wenn auch nur knapp, geschlagen geben.

Den Turniersieg holte sich Verti-Go in einem internen Finale. Gratulation dazu. Für uns wurde der vierte Platz auch noch um einiges versöhnlicher, als wir erfuhren, dass wir, wie bereits vor einigen Wochen in Graz, die Spirit-Wertung gewonnen hatten.  Es gelingt uns immer mehr, auch in schwierigen und unangenehmen Momenten eine positive Stimmung beizubehalten. Dass das auch von den anderen Teams so war genommen wird, ist immer wieder schön zu sehen. Abschließend bleibt noch zu sagen, dass ein Turnier mit 11 Teams zu koordinieren, organisatorisch sicher nicht leicht von der Hand geht. Es hätten allerdings bloße Anzeichen eines Systems beim Spielplan gereicht, um manche Entscheidungen bezüglich des Zeitplans zu rechtfertigen. Abgesehen davon bemühte sich Frizmi jedoch wirklich, ein schönes Turnierwochenende für alle zu gestalten. Einen eigenen Raum bereitgestellt zu bekommen, wo wir unser persönliches Hawks-Nest einrichten konnten, ist nicht selbstverständlich. Danke dafür noch einmal. Pünktlich um fünf vor eins reisten wir ab und verabschiedeten uns vom wunderbaren Dobrova. Falls uns der Adventsalltag noch einmal zu grau wird, schauen wir gerne wieder vorbei.